Das Wort der Weisheit (Teil 2)

von Johannes Justus

Das „Wie“ der Geistesgaben macht uns oft neugieriger als das „Was“ oder „Wozu“; vielleicht auch deshalb, weil die Bibel über das „Wie“ nicht viele Angaben macht. Doch wie kann sich das Wort der Weisheit manifestieren und in welchen Situationen wird es benötigt?

Die Bibel berichtet von etlichen Begebenheiten, in denen Gottes Weisheit auf eine konkrete Situation angewendet wird – z.B. wird beschrieben, dass der Diakon Stephanus im Streitgespräch mit einigen Kritikern in Geist und Weisheit redete (Apostelgeschichte 6,8-10). Dies konnte er tun, weil er unter der Führung des Heiligen Geistes stand. Aber wie genau führte und inspirierte ihn der Heilige Geist? Darüber erfahren wir nichts. Vielleicht legte ihm der Heilige Geist die Worte direkt in den Mund. Vielleicht war es eine Eingebung von Gedanken oder eine innere Gewissheit des Herzens, die Stephanus dann mit eigenen Worten zum Ausdruck brachte.

Auf ganz unterschiedliche Weise

Ich denke, dass sich ein Wort der Weisheit auf ganz unterschiedliche Weise manifestieren kann, weil der Heilige Geist auf ganz unterschiedliche Weise zu Menschen redet. Er kann uns z.B. an das Wort Gottes erinnern (Johannes 14,26; Psalm 119,105), er kann uns innerlich in Beschlag nehmen (Apostelgeschichte 4,8), er kann unser Denken und Reden leiten (Römer 8,14; Galater 5,18), er kann uns Visionen, Träume, Bilder und Eindrücke geben (Apostelgeschichte 2,16-18). Dem Geist Gottes sind keine Grenzen dabei gesetzt, uns zu erreichen.

Wir brauchen die Weisheit Gottes

Wichtig ist, dass wir erkennen, wie sehr wir die Weisheit Gottes brauchen – sowohl für das Gemeindeleben als auch für unser persönliches Leben. Worte der Weisheit sind nötig zur Auferbauung und Förderung der Gemeinde. Sie können vor Spaltungen bewahren, Wogen glätten, zu richtigen Entscheidungen führen, falsche Wege offenbaren, uvm. Außerdem lehrt uns Gottes Weisheit ein rechtes Verhalten, einen guten Lebenswandel, hilft in wichtigen Entscheidungsmomenten und schult unsere Urteilsfähigkeit (1. Korinther 6,5; Epheser 5,15, Kolosser 1,9; 4,5; Jakobus 3,13). Wir brauchen die Impulse des Heiligen Geistes, ansonsten werden wir nur aus unserem eigenen Erfahrungsschatz leben. Wir sind aber darauf angewiesen, dazuzulernen – und manchmal auch komplett umzulernen.

Sich mit Gottes Weisheit ernähren

In den Sprüchen des Alten Testamentes, die den Kern biblischer Weisheitsliteratur bilden, wird echte Weisheit eng mit Gott verknüpft. Wo Menschen gottesfürchtig leben, beginnt Weisheit (Sprüche 9,10). Diese führt zu Einsicht, Verständnis, Besonnenheit, Entscheidungsfähigkeit und Korrekturbereitschaft (z.B. Sprüche 1,5; 3,7; 4,5; 8,12; 10,8). Wer von Gottes Weisheit geprägt ist, wird friedfertig, freundlich, nachgiebig, barmherzig und aufrichtig handeln (Jakobus 3,17-18). Deshalb sollten wir Gottes Weisheit begehren und uns mit ihr ernähren. Wenn wir Nahrungsmittel zu uns nehmen, die nicht gut für uns sind, dann kann es Tage dauern, dies wieder zu verarbeiten. Wir sollten unseren Geist mit Gottes Weisheit nähren. Das wird unser Leben bereichern und inspirieren (Römer 8,11-14). So möchte ich dazu ermutigen, sich nach der Gabe des Wortes der Weisheit aber auch nach göttlicher Weisheit insgesamt auszustrecken, so wie es die Bibel sagt (1. Korinther 12,31; 14,1; Jakobus 1,5).

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