Wann sollte man nicht am Abendmahl teilnehmen?

von Daniel Justus

Paulus Überlieferung aus 1 Kor 11,27-34 mit seinem Vers 29 „Denn wer so isst und trinkt, dass er den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht“ hat in Vergangenheit bei Manchem Angst und Unsicherheit ausgelöst. Immer wieder führt dieser Text aber auch in der Gegenwart dazu, dass Menschen aus Angst, unwürdig zu sein, vom Abendmahl wegbleiben.

Unwürdiges Verhalten nicht unwürdige Person

Zunächst ist wichtig festzuhalten, dass Paulus nicht von einem unwürdigen Menschen spricht, sondern von einem unwürdigen Verhalten beim Abendmahl. „Unwürdig“ ist ein Adverb welches die beiden Verben „essen“ und „trinken“ beschreibt. Es geht ihm um eine Weise des Essens und Trinkens, bei dem der „Leib des Herrn“ verachtet wird und nicht um eine unwürdige Person.

Aus dem Kontext geht hervor, dass es ihm um ein unangemessenes und liebloses Verhalten geht. Das Abendmahl in Korinth wurde zu einem Mahl, bei dem jeder aß und trank, was er mitgebracht hatte, ohne Rücksicht auf die anderen und ohne Rücksicht auf die gemeinsame Mahlfeier, sodass einige hungrig blieben und andere betrunken waren (V. 21). Missachtet wurden dabei sowohl der im Abendmahl gegenwärtige Christus, weil das Mahl nicht von einer normalen Sättigungsmahlzeit unterschieden wurde als auch die anderen hungernden Christen.

Würdig ist demgegenüber ein Abendmahlsempfang, der geprägt ist vom richtigen Verständnis des Abendmahls, von geschwisterlicher Liebe und dem Verlangen, an Christus und an seiner Gemeinde teilzuhaben. Wer diese Kriterien erfüllt, der darf am Abendmahl teilnehmen.

Evangelikale Tradition

In der Geschichte der protestantischen Kirchen ist Mt 5,23f zum Prüfkriterium für die Teilnahme am Abendmahl geworden, obwohl dieser Abschnitt gar nicht von der Abendmahlsteilnahme spricht.

Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat,  so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe. (Mt 5,23f)

Diese Tradition hat sich auch in anderen Kirchen verfestigt. Wer zum Abendmahl geht, muss prüfen, ob nicht ein Bruder oder eine Schwester irgendwas gegen ihn habe. In dieser Stelle der Bergpredigt fordert Jesus eigentlich, dass der Glaubende zuerst seinen Zorn gegenüber dem Bruder aus der Welt schafft, bevor er seiner Opferpflicht nachkommt. Es geht um die Vergebung. Hiermit möchte Jesus deutlich machen, dass der Glaubende stets die Bereitschaft haben sollte, seine Haltung dem Nächsten gegenüber grundlegend zu verändern – sprich zu vergeben und zu versöhnen. Die Versöhnung und die Liebe haben höhere Priorität als der Opferkult, denn die Versöhnung mit Gott setzt die Versöhnung mit dem Bruder voraus (z.B. Mt 6,12. 14; 6,38; Mk 11,25). Mit dem Abendmahl hat dies aber eigentlich nichts zu tun.

Nun ist dieser Text zum Prüfkriterium für das Abendmahl geworden. Problematisch wird dieses Prüfkriterium dann, wenn man sich deswegen vom Abendmahl fernhält, weil man irgendwelche Meinungsverschiedenheiten hat oder aber sich mit anderen nicht vertragen will und deshalb wegbleibt. Denn ob man am Abendmahl teilnimmt oder nicht: Versöhnung ist immer von Gott gewollt und wird von ihm gefordert.

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