Die Gabe der Unterscheidungen der Geister (Teil 1)

von Johannes Justus

Aus meiner Sicht haben wir die Gabe der Unterscheidungen der Geister dringend nötig. Allerdings ist sie stark missbrauchsgefährdet.

In Wirtschaftsunternehmen stellt das Risikomanagement eine wichtige Führungsaufgabe dar. Wie kann man Risiken frühzeitig erkennen und somit potentiellen Schaden abwenden? Diese Frage spielt eine wichtige Rolle. Wir kennen Frühwarnsysteme, z.B. aus dem Straßenverkehr oder aus der Meteorologie. Die Gabe der Unterscheidungen der Geister ist für mich eine Art Frühwarnsystem auf geistlicher Ebene.

Das griechische Wort für „Unterscheidung“ lautet diakrisis (1. Korinther 12,10). Es kann auch mit „Trennung“ oder „Beurteilung“ übersetzt werden. Unterscheiden hat damit zu tun, etwas differenziert zu betrachten, zu prüfen und schließlich ein Urteil darüber zu fällen. Dies ist eine hohe Verantwortung. Zwar soll auch der Dienst in den Geistesgaben geprüft werden (1. Korinther 14,29; 1. Thessalonicher 5,21), aber hier ist das Prüfen von Geistern gemeint.

Gott triumphiert über böse Geister

Folgende Erkenntnis ist grundlegend: Nicht alles Übernatürliche kommt von Gott. Es gibt die Realität böser Geister. Die Bibel verschweigt sie nicht. Böse geistliche Mächte haben Kraft, wirken im Verborgenen und bringen sogar Wunder hervor. Jesus und seine Jünger hatten oft mit bösen Geistern zu tun, die in und durch anderen Menschen wirkten. Bemerkenswert ist auch ein Erlebnis von Paulus: Einmal war er mit seinen Mitarbeitern in Philippi unterwegs, als ihnen tagelang eine Wahrsagerin hinterherlief und schrie: „Diese Männer sind Knechte des Höchsten, die das Heil verkündigen.“ Diese Aussage war absolut richtig. Doch Paulus erkannte den Wahrsagegeist in dieser Frau und trieb ihn aus (Apostelgeschichte 16,16-18).

Scheinbar aktivierte der Heilige Geist ein Frühwarnsystem in dem Apostel. Auch wenn die Frau im Grunde nichts Falsches sagte, hatte Paulus doch gute Gründe, sie zum Schweigen zu bringen: 1. Er bewahrte dadurch die Gemeinde Jesu. Denn hätte er das Wort dieser Frau anerkannt, wären ihr womöglich weitere Türen in christliche Kreise geöffnet worden. 2. Er konnte die Frau zurechtbringen und ihr dadurch helfen. 3. Er entlarvte den bösen Geist und legte so die Verwandlungskunst Satans offen. 4. Er stellte klar, dass Gott allein die Ehre bekommen soll – nicht der Satan und seine Dämonen.

Ich versuche großen Wert darauf zu legen, dass der Dienst in den Geistesgaben aus der Perspektive des Sieges Jesu am Kreuz stattfindet. Er soll die Ehre bekommen. Vor einiger Zeit sprach ich mit einer Frau, die sehr viel Betonung auf die Macht des Bösen legte. Ich sagte ihr: „Du gibst dem Feind zu viel Aufmerksamkeit. Es ist zu viel Ehre für ihn. Konzentriere dich auf die Möglichkeiten Gottes und nicht auf den Kampf.“ Wir leben und dienen im Horizont des Sieges Gottes. Das sollte unser Fokus sein.

Kriterien zum Prüfen

Wer unter der Kraft des Heiligen Geistes mit der Gabe der Geisterunterscheidungen dient, der soll prüfen und erkennen, ob hinter dem Wort, dem Verhalten oder dem Motiv von jemandem wirklich Gott steht oder nicht. Dieses Prüfen bzw. Unterscheiden kann anhand folgender Kriterien geschehen:

  1. Wird Gott verherrlicht?
  2. Wird Jesus und sein Erlösungswerk groß gemacht?
  3. Wird das Wort Gottes bestätigt?
  4. Wird die Gemeinde erbaut?
  5. Wird der Einzelne näher zu Gott gebracht?

Voraussetzungen zum Dienen

Wer mit dieser Gabe dient, braucht ein hohes Maß an geistlicher Reife und ein tiefes Verständnis des Wortes Gottes. Der Maßstab der Prüfung ist nämlich nicht das eigene Gefühl, die eigene Meinung oder der eigene Geschmack. Maßstab ist das, was Gott in seinem Wort sagt oder durch seinen Geist offenbart. Man braucht auch die Bereitschaft, mit anderen Begabten im Gespräch zu sein und sich reflektieren zu lassen. Alleingänge sind hier unangebracht. Dann nämlich steht man in der Gefahr, den Anspruch auf alleinigen Durchblick zu erheben. Außerdem braucht man ein Bewusstsein dafür, dass Beurteilen und Verurteilen nah beieinander liegen können. Gott hat seine Gaben nicht gegeben, damit wir uns übereinander erheben. Gott verfolgt mit seinen Gaben gute Absichten. So möchte er uns auch mit der Gabe der Geisterunterscheidungen segnen und seine Gemeinde aufbauen.

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2 Kommentare

Katrin Gehling 19. Januar 2021 - 0:36

Sehr geehrter Herr Justus ,

Ich hatte Ihnen heute schon einmal geschrieben .
Ich habe eine prophetische Begabung und ich höre Gottes Stimme .

Gott offenbart mir vieles durch den Heiligen Geist.

Gott sagt mir im Geist auch,das Menschen sterben werden ,wenn sie nicht Busse tun und umkehren zu Gott .
Das ist auch für mich dann schwer auszuhalten.

Ich lese gerade etwas über die Unterscheidung der Geister .
Sehr interessant und spannend .

Aber grundsätzlich auch schwierig und ich muss ständig prüfen ,ob das alles von Gott kommt .

Mein Mann machte sich lustig über mich und beschimpfte mich .
Er sagte ,das ich schizophren bin,weil ich Gottes Stimme so klar höre .
Das ließ mich teilweise sehr stark zweifeln .

Ich höre die Stimme Gottes und sehe auch viel im Geist .
Ich habe Träume , Visionen,Bilder und Eindrücke .
Im Geist sehe ich die Ewigkeit bei Gott .

Der Heilige Geist leitet und führt mich .
Ich selber mache nichts .

Gott sagt mir viele Dinge über einzelne Menschen,die halt sündigen .
Also zum Beispiel Fremdgehen .

Bei einer Person sagt Gott mir im Geist sogar,wenn dieser Mensch nicht umkehrt,wird er sterben .
Das haut mich um .
Was sagen Sie dazu ??

Kommt das von Gott?
Zur Zeit lese ich das alte Testament,siehe Hesekiel .
Gott sagte mir das,ich solle das Lesen .

Ich bekomme auch Offenbarungen über das politische Weltgeschehen .
Teilweise kann ich es noch nicht in Worte fassen .

Über eine Nachricht von Ihnen würde ich mich sehr freuen .

Gott segne Sie und Ihre Familie in Jesus Christus Amen Gruss Katrin Gehling

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Johannes Justus 20. Januar 2021 - 16:15

Liebe Frau Gehling,
es freut mich zu hören, dass Sie die Stimme auf einer sehr deutlichen Weise hören. Ich kann grundsätzlich nicht bestreiten, dass derartige Eindrücke von Gott kommen, doch wissen sie, dass prophetische Eindrücke geprüft werden müssen. Daher würde ich Ihnen empfehlen mit reifen Leuten aus Ihrer Gemeinde, die offen für das Wirken des Heiligen Geistes sind, darüber zu sprechen.
Liebe Grüße Johannes Justus

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