Das Wort der Erkenntnis (Teil2)

von Johannes Justus

Manchmal scheinen wir den Durchblick zu verlieren. Dann brauchen wir Erkenntnis. Doch der Umgang mit Erkenntnis fordert uns heraus.

Erkenntnis ist Einsicht. Wenn ich einen dunklen Raum betrete, werde ich zunächst nichts erkennen können. Aber sobald ich das Licht einschalte, dann habe ich Einsicht in die Wirklichkeit des Raumes; dann kann ich erkennen, was vor mir liegt und wohin ich mich bewegen kann. Erkenntnis bekommen wir dort, wo Gott Licht in unsere dunklen Situationen bringt. So hat Erkenntnis mit Einsicht, Verständnis und Urteilsvermögen zu tun.

Sprüche 2,6: „Denn der Herr gibt Weisheit, aus seinem Mund kommen Erkenntnis und Einsicht.“

Vor einiger Zeit kam ich mit einer jungen Frau ins Gespräch. Sie fühlte sich, als hätte sie den Durchblick verloren. Nachts hatte sie auffällig viele Träume und sie ging davon aus, dass Gott zu ihr reden wollte. Aber was hatten diese Träume zu bedeuten? Am liebsten hätte sie meine Interpretationen gehört. Doch viel besser ist es, den Herrn um Erkenntnis und Einsicht zu bitten. Er gibt sie gerne. Ich habe oft erlebt, dass Gott durch Träume oder übernatürliche Eingebungen geredet, dann aber auch die nötige Erkenntnis gegeben hat, um sein Reden richtig zu verstehen. So habe ich der jungen Frau empfohlen, Gott um Erkenntnis zu bitten – und außerdem um Geduld. Denn wenn zunächst keine Erkenntnis vorhanden ist, dürfen wir uns in Geduld üben. Nicht alles leuchtet uns sofort ein. „Wir leben zwar vorwärts, aber verstehen oft rückwärts.“ (Sören Kierkegaard)

Zwei Gefahren

So kann der Umgang mit Erkenntnis sehr herausfordernd sein. Es gibt zwei Gefahren, denen insbesondere geistliche Leiter ausgesetzt sind. Die erste Gefahr besteht darin, dass Erkenntnis verloren geht. In Hosea 4,6 richtet sich Gott an die Priesterschaft und sagt: „Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis. Weil du die Erkenntnis verworfen hast, so verwerfe ich dich, dass du mir nicht mehr als Priester dienst.“ Das sind harte Worte. Die Priester gehörten zu den geistlichen Anführern im Alten Israel. Sie waren mitverantwortlich für das geistliche Wohl des Volkes. Doch sobald sie Gott und sein Wort missachteten, ging ihnen die nötige Erkenntnis für ihren Dienst verloren. Jesus sagte einst über Schriftgelehrte und Pharisäer, die sich mehr an eigene als an Gottes Erkenntnisse halten wollten: „Sie sind blinde Blindenführer.“ (Matthäus 15,14) Wir brauchen Durchblick und sollten die Erkenntnis Gottes begehren.

Die zweite Gefahr besteht genau im Gegenteil: Wenn wir nämlich meinen, besonders viel Erkenntnis gewonnen zu haben. Denn Erkenntnis kann aufblähen (1. Korinther 8,1). Als sich die ersten christlichen Gemeinden formierten, gab es viele Irrlehrer mit ganz sonderbaren Erkenntnissen. Viele dieser Sonderlehren wurden unter dem griechischen Sammelbegriff Gnosis („Erkenntnis“) zusammengefasst. Vor solchen Gnostikern, die mit ihren geheimen Spezialerkenntnissen Verwirrung stifteten, hat Paulus gewarnt: „Meide das unheilige, nichtige Geschwätz und die Widersprüche der fälschlich so genannten »Erkenntnis«.“ (1. Timotheus 6,20) Das sind wieder harte Worte. Aber sie schützen uns davor, mit Spezialerkenntnissen auftreten zu wollen und überheblich zu werden.

Auf Christus fokussiert

Erkenntnis an sich ist nicht gefährlich, aber das, was man aus ihr machen kann. Selbst an der besten Speise kann man leiden. Deswegen muss Christus unser Fokus sein. In Kolosser 2,3 heißt es, dass in ihm „alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind.“ Echte Erkenntnis finden wir, wenn wir Christus suchen und Gemeinschaft mit ihm haben. Er wird uns auch den rechten Umgang lehren.

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