Das Wirken des Heiligen Geistes an uns (Teil1)

von Johannes Justus

Wir sind schnell begeistert, wenn der Heilige Geist durch uns wirken möchte. Doch was ist, wenn der Heilige Geist an uns wirken möchte? Sind wir offen für Veränderung? Auch wenn es um unsere Persönlichkeit geht?

Einmal wurde ich von einem russischen Journalisten in Sankt Petersburg gefragt, was aus meiner Sicht das größte Wunder Gottes sei. Ich sagte ihm: „Abgesehen von der Erlösung des Menschen ist für mich die Veränderung seiner Persönlichkeit das größte Wunder.“ Ich weiß sowohl aus dem Leben anderer als auch aus meinem eigenen Leben, wie schwer es ist, an der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten. Aber ich bin überzeugt, dass es absolut notwendig ist.

Gott schaut auf den Charakter

Mit dem Wort „Charakter“ bezeichnen wir in umfassender Weise die Eigenschaften, Einstellungen und Verhaltensweisen eines Menschen. Wir meinen das, was die Persönlichkeit ausmacht – also das Charakteristische an einem Menschen. Ursprünglich stammt das Wort „Charakter“ aus dem Griechischen und bezog sich auf einen Stempel, den man für die Prägung einer Münze verwendete. So wurde eine Münze nicht durch das Metall wertvoll, sondern durch ihre Prägung. Im übertragenen Sinne würde ich sagen, dass sich auch ein Mensch nicht durch Äußerlichkeiten auszeichnet, sondern durch seinen Charakter.

Es fasziniert mich, dass Gott keinen großen Wert auf Äußerlichkeiten legt. Vielmehr schaut er auf das Innere des Menschen (1. Samuel 16,7). Und dieses Innere möchte er durch seinen Heiligen Geist prägen, formen und gestalten. Der Apostel Paulus spricht im Galaterbrief vom Wandel im Geist und vom Geleitetwerden durch den Geist. Das Ergebnis dessen bezeichnet er als „Frucht des Geistes“ und zählt neun göttliche Qualitäten auf: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (Galater 5,22). Aber Frucht ist nicht einfach da; sie muss wachsen. Charakter- und Persönlichkeitsentwicklung ist deshalb immer ein Prozess.

Zusammenarbeit mit dem Heiligen Geist

Wir haben uns daran gewöhnt, dass unsere Bedürfnisse sofort gestillt werden. Nur ungern warten wir in einem überfüllten Restaurant auf unser Essen oder stellen uns an eine lange Schlange im Supermarkt. Dazu fehlt uns einfach die Geduld. Die Gestaltung der Persönlichkeit gelingt allerdings nicht per Knopfdruck. Ein Sprichwort sagt: „Du kannst dir ein Bett kaufen, aber nicht den Schlaf. Du kannst dir eine Uhr kaufen, aber nicht die Zeit. Du kannst dir ein Buch kaufen, aber nicht das Know-How.“ Und ich würde ergänzen: „Du kannst dir äußere Schönheit kaufen, aber nicht den Charakter.“

Wer seinen Charakter entwickeln möchte, braucht die Bereitschaft, sich auf einen Prozess der Zusammenarbeit mit dem Heiligen Geist einzulassen. Ja, der Heilige Geist prägt, formt und gestaltet. Aber wir müssen dieses Wirken an uns bewusst wollen und zulassen. Ansonsten wird nichts geschehen. Man könnte sagen: Charakterveränderung ist das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit mit dem Heiligen Geist bei der Arbeit an sich selbst. Charakter steht vor Charisma und Kompetenz. Deswegen heißt es zurecht: „Man stellt Menschen aufgrund ihrer Kompetenz ein und kündigt sie aufgrund ihres Charakters.“ Am Ende wird der Charakter überzeugen.

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